Das neue Luxemburger Radteam scheint sich zu einer Top-Mannschaft zu formieren. Jetzt wechseln auch der australische Olympiasieger Stuart O’Grady und die beiden ehemaligen deutschen Milram-Profis Linus Gerdemann und Fabian Wegmann nach Luxemburg.
Zuvor wurde schon bekannt gegeben, dass die Brüder Andy und Frank Schleck und der deutsche Routinier Jens Voigt vom Saxo-Bank-Team zu dem noch namenlosen ProTour-Team zur kommenden Saison wechseln werden.
Teamchef Brian Nygaard, der gegenwärtig auf Sponsorensuche ist, formiert eine konkurrenzfähige Mannschaft, die unter anderem um den Sieg bei der Tour de France mitfahren will.
Zu dem australischen Neuzugang O’Grady sagte der Däne Nygaard zu cylingnews.com: “Stuart ist eine echte Legende und wohl einer der größten Athleten seiner Generation.” Der 37-jährige O’Grady gewann 2007 den Radklassiker Paris-Roubaix und konnte bisher drei Etappensiege bei der Tour de France feiern.
Die Organisatoren des Giro d’Italia haben den Streckenplan für 2011 in Turin präsentiert. So steht bei der 94. Auflage erstmals seit 1989 wieder der Vulkan Ätna auf dem Programm.
Der Giro 2011 wird dem 150. Jahrestag der Einigung Italiens gewidmet. Dafür haben sich die Organisatoren ein besonders schweres Profil ausgedacht. Sieben Bergankünfte warten auf die Profis, darunter ein Bergzeitfahren.
Beginnen wird die zweitgrößte Rundfahrt der Welt am 7. Mai in Turin mit einem 21,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren. Das Finale geht am 29. Mai in Mailand mit einem Einzelzeitfahren über 32,8 Kilometer über die Bühne.
Die Fahrer müssen auf 21 Etappen insgesamt 3496 Kilometer mit hohen Bergen wie den Ätna, Großglockner und Monte Zoncolan bewältigen. “Applaus für diesen Giro. Das ist ein Giro für die Harten”, meinte der Veranstalter “Gazzetta dello Sport“.
Ist so etwas noch menschlich? Muss man sich das wundern, dass die Pro-Tour-Fahrer zu unerlaubten Mitteln greifen, um der Show gerecht zu werden?
Top-Favorit Philippe Gilbert hat wie im Vorjahr die Lombardei-Rundfahrt gewonnen. Der Belgier vom Team Omega-Pharma Lotto siegte bei der 104. Auflage des letzten Ein-Tages-Klassikers des Jahres.
Nach 260 Kilometern fuhr Gilbert vor dem Italiener Michele Scarponi (Androni Giocattoli) und dem Spanier Pablo Lastras (Caisse d’Epargne) als erster ins Ziel im norditalienischen Como ein. Für den belgischen Radprofi war es der zweite Klassikersieg nach dem Gewinn des Amstel Gold Race im Frühjahr.
Das deutsche Milram-Team, für das die Lombardei-Rundfahrt einer der letzten Auftritte war, konnte nicht ins Geschehen eingreifen. Das letzte deutsche ProTour-Team wird nach dem Saisonende aufgelöst.
Der Start des letzten großen Saisonrennens wurde mehrere Minuten durch die Radprofis verzögert, um gegen die Aussagen des Vorsitzenden der italienischen Anti-Doping-Kommission Ettore Torri zu protestieren, der alle Profis unter pauschalen Doping-Verdacht gestellt hatte.
Der überführte Tour-de-France-Sieger Alberto Contador denkt laut über ein Karriereende nach, egal wie das Urteil des Weltverbandes UCI ausfallen sollte.
“Ich bin so entmutigt, dass ich darüber nachdenke, den Radsport unabhängig von der Entscheidung der UCI aufzugeben”, liest man über Contador in der Madrider Zeitung “El Mundo“. Dies soll er dem Präsidenten des spanischen Verbandes, Carlos Castaño, mitgeteilt haben.
Alberto Contador ©Flickr/ hyku
Dem Spanier wurden am zweiten Tour-Ruhetag geringe Spuren des Kälbermastmittels Clenbuterol nachgewiesen. Contador begründet den positiven Doping-Tests durch kontaminiertes Fleisch, welches er gegessen habe und beteuert nach wie vor seine Unschuld.
Fernando Ramos, ein Spezialist für Lebensmittelvergiftungen, beurteilt den Fall folgendermaßen: “Es ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Meiner Meinung nach ist es nur eine Story”, sagte der Lebensmittel-Spezialist der Universität Coimbra in Portugal.
Es erinnert schon ein weinig an ein großes Schauspiel. Jetzt versucht der Repräsentant des Radsports der vergangenen Jahre durch die Anspielung auf sein Karriereende Druck auf die Radsportwelt auszuüben. Aber ganz sicher wird die Show auch ohne ihn weitergehen.
Der spanische Radprofi Oscar Freire hat den französischen Herbstklassiker Paris-Tours über 233 Kilometer gewinnen können. Der Sprinter vom Team Rabobank setzte sich im Sprint gegen Angelo Furlan und Gert Steegmans durch.
Für Freire war es nach dem Sieg bei Mailand-San Remo im Frühjahr der zweite Saisonerfolg bei einem prestigeträchtigen Eintagesrennen. “Es war ein perfektes Rennen für mich”, sagte der dreimalige Weltmeister nach seinem Spurt auf der berühmten Allee in Tour.
Hervorzuheben ist die Leistung des deutschen Radprofis Simon Geschke vom Team Skil-Shimano. Der Berliner fuhr lange Zeit in einer siebenköpfigen Spitzengruppe. 25 Kilometer vor dem Ziel fuhr er sogar noch weitere Attacken.
Der letzte Klassiker der Saison 2010 findet am kommenden Samstag, den 16. Oktober statt. Bei dem traditionell letzten Straßenrad-Höhepunkt, der Lombardei-Rundfahrt in Norditalien, sind noch einmal fast alle Topfahrer am Start.
Der 2008 des Dopings überführte und danach zurückgetretene Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl glaubt nicht an den Gewinn der Tour de France ohne Doping.
Der Österreicher Kohl sieht vor allem Lücken bei den Doping-Kontrolleuren. “Ich wurde in meiner Karriere 200 Mal getestet. 100 Mal hatte ich Drogen in meinem Körper. Einmal wurde ich erwischt, 99 Mal nicht”, sagte Kohl zur “New York Times“.
Bernhard Kohl © flickr/aerocha
Kohl, der bei der Tour 2008 mit dem dritten Rang und dem Gewinn des Bergtrikots auf sich aufmerksam gemacht hatte, meinte die Fahrer würden denken, sie entkämen den Fahndern, “weil es meist der Fall ist.” Er selber wurde nach der Frankreich-Rundfahrt positiv auf CERA getestet. Nach seinem Dopinggeständnis wurde seine Resultate gestrichen.
Indirekt klagte der ehemalige Radprofi des heute aufgelösten deutschen Rennstalls Gerolsteiner auch den vorerst wegen Clenbuterol-Dopings suspendierten Spanier Contador an. “Floyd Landis gewann die Tour mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Kilometern – und er war gedopt. In diesem Jahr gewann Contador mit dem selben Stundenmittel”, so Kohl weiter.
Alberto Contador bestreitet nach seinem positiven Dopingbefund weiter vehement gedopt zu haben. In einem Interview meint der Spanier, dass diese Affäre bald ein Ende hat.
Alberto Contador soll nach Angaben der “New York Times” bei einer zweiten Probe auffällig geworden sein. Beim Tour-de-France-Sieger wurden in einer am Abend des 20. Juli genommenen Probe Rückstände eines sogenannten Plasticisers gefunden, was auf Blutdoping hindeutet. Contador behauptet aber weiterhin, ein kontaminiertes Stück Fleisch sei für seine positive Dopingprobe vom 21. Juli 2010 verantwortlich. Dem ehemaligen Astana-Profi zufolge, dessen Rennstall sich nun von ihm abwendet, hat der Spuk für ihn in Kürze ein Ende hat. Der Iberer soll seine Unschuld beweisen können.
Alberto Contador bei seinem Tour-Sieg 2009 ©Flickr/ hyku
In dem Interview mit eurosport.com bezeichnet Contador die Tage nach der Doping-Enthüllung als die “schlimmsten Momente seiner Karriere”. Zudem will er um seinen Ruf kämpfen. “Ich kann das nicht zulassen, weil ich weiß, dass ich nichts angestellt habe”, sagte Contador. “Wie kann ich eine Sanktion hinnehmen, wenn ich vollkommen unschuldig bin? Mir fällt es verdammt schwer, das so zu akzeptieren.”
Glaubt ihr an die Unschuld Contadors oder ist das ein Kasperle-Theater, wie man es bei anderen überführten Radprofis schon einige Male erlebt hat?
Die deutsche WM-Medaillenhoffnung Tony Martin hat den Zeitfahrkurs von Geelong inspiziert. Die Strecke hat er für schwerer eingestuft als erwartet und vor allem sei er von den steilen Anstiegen überrascht.
Tony Martin (Foto: flickr/ richardmasoner)
„Das ist kein Rollerkurs, sondern mit den beiden kurzen, aber so 10-15 Prozent steilen Bergen schon eine echte Kraftstrecke – unrhythmisch, windanfällig und mit rauem Asphalt”, sagte Martin in einem Gespräch mit Radsport News. „Ich muss gestehen, dass mir die Kinnlade runtergefallen ist, als ich das erste Mal vor dem Anstieg stand. Die Strecke ist wirklich anspruchsvoll, wenn auch nicht in technischer Hinsicht.”
Martin glaubt aber trotz alledem , dass ein Zeitfahrspezialist beim WM-Einzelzeitfahren am Donnerstag, den 30. September in Geelong gewinnen wird. „Ich glaube nicht, dass hier ein Kletterer vorne reinfahren wird. Dazu sind die Berge dann doch zu kurz”, meinte der Deutsche Zeitfahrmeister.
Bei der Straßenrad-WM vom 29. September bis 3. Oktober im australischen Geelong bei Melbourne ruhen die größten deutschen Hoffnungen auf dem Zeitfahr-Spezialisten Tony Martin.
Tony Martins größter Konkurrent ist bei seiner Mission, eine WM-Medaille zu erringen, im Elitezeitfahren Titelverteidiger Fabian Cancellara aus der Schweiz. Schon ein paar Mal in dieser Saison musste sich der Deutsche dem Weltmeister und Olympiasieger nur ganz knapp geschlagen geben.
Beim Kampf gegen die Uhr, am 30. September 2010, hofft Martin einen guten Tag zu erwischen. “Mein Ziel ist das Podium. Wenn Fabian in Topform ist, wird man ihn nicht bezwingen können”, sagte der WM-Dritte von 2009 zur dpa.
Um in Australien auf dem 45,4 Kilometer langen Kurs alles aus sich herauszuholen, hat sich Martin im Windkanal in Silverstone vorbereitet.
Radprofi André Greipel hat mit seinem Sieg der letzten Etappe bei der Tour of Britain seinen 21. Erfolg in dieser Saison eingefahren. Damit ist der Profi vom Team HTC-Columbia nach Tagessiegen gerechnet in dieser Saison der erfolgreichste Radprofi der Welt.
Zudem toppte der gebürtige Rostocker sein Ergebnis vom vorigen Jahr um einen Erfolg. „Das war mein letztes Rennen für HTC Columbia und ich freue mich umso mehr, dass ich diesen erfolgreichen Lebensabschnitt mit einem Sieg beenden konnte”, liest man auf Greipels Homepage.
Zur kommenden Saison wechselt der 28-Jährige nach Belgien. Im Team OmegaPharma-Lotto wird er 2011 auf Siegjagd gehen. Interessant werden die Sprintduelle mit seinem noch Teamkollegen Marc Cavendish, wegen dem er nie an der Tour de France teilnehmen konnte.
In seiner aktuellen Form besitzt der 28-jährige Greipel zudem bei der Straßen-WM am 3. Oktober in Geelong/Australien Chancen, den Titel zu holen.