Glasgow – Domenic Weinstein riss den Daumen hoch und zeigte seinen Bizeps: Nach mehreren vergeblichen Anläufen hat der Bahnrad-Sportler aus Villingen-Schwennigen erstmals bei einer internationalen Meisterschaft die 4000-Meter-Einerverfolgung gewonnen.

Der 23-Jährige, 2016 schon Vize-Weltmeister und im Vorjahr EM-Dritter, siegte am Sonntag bei den European Championships in 4:13,363 Minuten in einem hochklassigen Finale gegen den Portugiesen Ivo Oliveira.

Im Vorlauf hatte Weinstein in 4:13,073 Minuten seinen deutschen Rekord verbessert und war zur Bestzeit gefahren. Es war bereits das achte EM-Edelmetall der deutschen Radsportler in Glasgow (2/3/3). «Die Zeit war megastark und ist sehr hoch zu bewerten. Jetzt hat er endlich seinen ersten Männer-Titel», sagte Bundestrainer Sven Meyer.

Lisa Brennauer holte in einem fast schon verloren geglaubten Straßenrennen mit Platz drei noch ein fast optimales Ergebnis heraus. Für die Allgäuerin war es nach Gold in der Einerverfolgung und Bronze in der Mannschaftsverfolgung bereits die dritte Medaille in Glasgow. Den Titel holte im Sprint Marta Bastianelli aus Italien vor Titelverteidigerin Marianne Vos aus den Niederlanden.

«Ich hätte nicht gedacht, dass wir noch mal rankommen», sagte Brennauer ausgepumpt, aber glücklich im Ziel am Glasgow Green, dem ältesten Park der Stadt. «Ich bin jetzt aber mega-happy. Das war heute vor allem eine tolle Mannschaftsleistung», sagte die 30-Jährige, die von der Verfolgungsarbeit ihrer Teamkolleginnen im Finale profitierte. Dort kam es schließlich doch noch zum Massensprint.

Mit dem Sieg in der Einerverfolgung hatte sich die Zeitfahr-Weltmeisterin von 2014 tags zuvor einen langgehegten Wunsch erfüllt, musste aber den Strapazen zunächst ein wenig Tribut zollen. «Ich war am Abend sehr aufgewühlt, habe nicht gut geschlafen und hatte einen superschweren Tag», sagte Brennauer, «aber irgendwie hat jeder dran geglaubt.»

Anna Knauer aus Eichstädt holte sich Silber im Ausscheidungsfahren auf der Bahn. Die Bayerin, die 2013 an gleicher Stelle Junioren-Weltmeisterin im Omnium wurde, musste sich im Sprint nur der vierfachen Olympiasiegerin Laura Kenny (vormals Trott) aus Großbritannien geschlagen geben. «Glasgow liegt mir scheinbar. Nachdem die Vierer-Mädels vorgelegt hatten, wollte ich die Medaille unbedingt», sagte Knauer. «Es war ein Wahnsinnserlebnis, Laura Kenny vor ihrem Heimpublikum zu fordern.»

Für Knauer war es nach ihrer langen Pause auch eine Bestätigung. Nach den Spielen in Rio 2016 hatte die 23-Jährige nicht mehr zu ihrer Form gefunden und von April 2017 bis April 2018 pausiert. Joachim Eilers aus Chemnitz hatte zuvor noch Silber im Zeitfahren zum deutschen Abschneiden beigesteuert.

Ex-Sprint-Weltmeister Stefan Bötticher zeigte sich nach Bronze im Teamsprint auch in seiner Spezialdisziplin stark. Der Chemnitzer gewann die Quali und erreichte mühelos das Viertelfinale am Montag.

Fotocredits: Jane Barlow,John Walton,Felix Kästle,John Walton
(dpa)