Das Cavallo war ein Fahrrad, das nicht durch das Bedienen von Pedalen, sondern durch bestimmte Körperbewegungen angetrieben werden sollte. Die Idee stammte bereits aus den 1950ern, in den 70ern wurde der erste Prototyp entwickelt.

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Die Firma Hercules, die heute noch zu den bekanntesten Fahrradherstellern überhaupt gehörte, wagte mit dem Cavallo ein Experiment, das zwar erfolgreich begann, dessen Endergebnis sich aber nicht durchsetzen konnte. Die Idee des Tüftlers Hans Günter Bals, der sein Konzept an Hercules verkauft hatte, ist jedoch noch immer nicht aus der Mode gekommen und sorgt heute in Form des Swingbike für dynamischen Fahrspaß.

Das Cavallo: Fahrradtyp mit richtig viel Schwung

Wie genau diese Idee aussah, lässt sich gut anhand des Namens nachvollziehen, den die Konstruktion von Hercules nach Erwerb der Lizenz bekam: Auf dem Cavallo, italienisch für „Pferd“, sollte der Fahrer eine fast hüpfende Auf- und Ab-Bewegung vollführen, ähnlich dem Bewegungsmuster, das der Reiter auf einem Pferd zeigt. So wurden Kurbelarme angetrieben, welche schließlich die Bewegung an die Räder weitergaben und so das Fahrrad nach vorn schoben.

Der Ingenieur Hans Günter Bals baute Mitte der 1950er Jahre ein Kinderfahrrad, das seine Idee eines „Ganzkörperantriebs“ in die Tat umsetzte, in den 70er Jahren folgte dann der erste für Erwachsene konzipierte Prototyp. Die Idee begeisterte so sehr, dass Hercules die Lizenz dafür erwarb, doch das unter dem Namen Cavallo herausgebrachte Fahrrad konnte sich trotz des offensichtlichen Spaß- und Fitness-Faktors auf dem Markt nicht ernsthaft durchsetzen – Was vielleicht auch an den starken Veränderungen lag, die der Hersteller an der Ursprungsidee vorgenommen hatte.

Balsbike & Swingbike : Die dynamischen Nachfolger

Aufgrund des ausbleibenden Erfolgs löste Hercules den Lizenzvertrag, noch bevor das Rad in Serie gegangen war, und Bals übernahm die Herstellung in der Folge wieder selbst. Unter dem Namen Balsbike fertigte er neue Räder nach seinen Vorstellungen, doch auch hier war von der Serienproduktion noch keine Spur. Doch die Umorientierung auf die Fitness-Szene brachte schließlich den Durchbruch.

Bals konstruierte mit seinem Sohn ein statisches Sportgerät, das auf demselben Konzept wie sein Fahrrad basierte, und auch die fahrbare Version – inzwischen unter dem Namen Swingbike – ist nun ein Erfolg. Statt als Fortbewegungsmittel wird es nun als Ganzkörper-Trainingsgerät angepriesen, mit dem ein optimales Muskeltraining ohne deutliche Belastung der Gelenke möglich ist. Das Swingbike wurde so zum Sportgerät und die Idee, die vor einem halben Jahrhundert ihren Anfang nahm, hat nun ein Publikum gefunden.