Eine Studie hat sich mit dem Thema Fahrraddiebstahl befasst, und komischerweise sind es nicht die Großstädte, die bei den relativen Zahlen vorne liegen.

Geld.de hat, jetzt wo der Sommer vorbei ist, eine Studie zum Fahrraddiebstahl in 127 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz herausgegeben, die Menschen aus der Großstadt etwas beruhigen und die Einwohner aus Münster beunruhigen dürfte. Mehr als 360.000 Fahrräder sind in diesem Jahr schon in Deutschland, Österreich und der Schweiz geklaut worden. Wobei die Schadenshöhe allein für Deutschland schon auf über 120 Mio. Euro geschätzt wird. Wo werden die meisten Fahrräder gestohlen und wo die wenigsten? Wie ist die Aufklärungsquote? Und wer klaut eigentlich die Drahtesel?

Fahrraddiebstahl: Absolute vs. relative Zahlen

Nach absoluten Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass Großstädte vorne liegen. So zeigte die Studie von Geld.de, dass nach absoluten Zahlen die meisten Fahrräder in Berlin gestohlen werden. Berlin liegt mit 19.942 gestohlenen Fahrrädern gefolgt von Hamburg mit 11.241 und Wien mit 6.502 vorne. Danach kommen die Städte Köln mit 6.172, Bremen (5.822) und München (5.345).

Doch man darf nicht nur auf die absoluten Zahlen schauen, da es ja auch auf die Fahrräder ankommt, die es pro Einwohner gibt. Daher wurden auch die relativen Zahlen veröffentlicht, die gleich ein ganz neues Bild zeichnen. Auch in diesem Jahr ist das westfälische Münster wieder die Hochburg für Fahrraddiebstahl. Hier werden 257% mehr Fahrräder als im gesamten Studiendurchschnitt geklaut, pro 100.000 Einwohner wurden 1.828 Fahrräder gestohlen. Absolut betrachtet werden täglich durchschnittlich 14 Münsteraner um ihr Fahrrad erleichtert. Weitere Fahrraddiebstahl-Hochburgen pro 100,000 Einwohner sind Oldenburg (1.521), Basel (1.502), Celle (1.361), Frankfurt/O. (1.341) und Dessau-Roßlau (1.268).

Die sichersten Städte

Die diebstahlsicherste Stadt Deutschlands ist übrigens Remscheid. Hier werden im Durchschnitt 93% weniger Fahrräder als in allen anderen untersuchten Städten geklaut. 2010 wurden dort nur 36 gestohlene Fahrräder pro 100.000 Einwohner verzeichnet. In Deutschland ist auch im Vergleich zu Österreich und der Schweiz die Aufklärungsquote sehr schwankend. Schwankt sie in der Schweiz zwischen 8,7 und 1,2% und in Österreich zwischen 9,3 und 1%, liegt sie in Deutschland durchschnittlich bei 10,1%, schwankt aber zwischen 60 % und 2,1%.

Die unterschiedlichen Aufklärungsquoten

Die unterschiedlichen Quoten können auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. So wurde in Balingen mit einer Aufklärungsquote 60% eine Täterbande von Jugendlichen geschnappt, auf die der Großteil der im letzten Jahr dort verübten Diebstähle zurückzuführen war. In München ist die Aufklärungsquote mit 22,1%, relativ hoch, denn hier kontrollieren Beamte Personen, die auf Grund von Auffälligkeiten, z.B. der Größe nicht zu ihrem Fahrrad passen. Nach Angaben der Polizei sind es aber noch immer eher Einzeltäter, die sich vom Gewinn des Fahrraddiebstahls z.B. ihre Sucht finanzieren. Die Fahrräder sind in dem Fall oft nicht ausreichend gesichert und codiert.

Insgesamt wurde allerdings in Deutschland 2010 11,2% weniger Fahrräder gestohlen als noch 2009. Experten können aber auch nichts anderes raten, als dass man es den Dieben nicht so leicht machen soll. D.h., dass das Fahrrad über Nacht wenn schon nicht im Keller, Hof oder der Garage, dann doch wenigsten an etwas unbeweglichem angeschlossen wird.