Beim 2er-Mannschaftsfahren im Bahnradsport kommt es im Gegensatz zum Strassenradsport überwiegend auf die Geschwindigkeit eines einzelnen der beiden Kollegen an. Um die Last jedoch auf beiden Schultern weitgehend gleichmäßig zu verteilen, ist es notwendig, dass sich die beiden Fahrer in regelmäßigen Abständen ablösen. Fuhr man früher noch aneinander vorbei, ohne sich zu berühren („auf Sicht“), entwickelten die Bahnradsportteams schnell Techniken, die Geschwindigkeit und Restpower eines Fahrers auf seinen Kollegen zu übertragen.

Zuerst praktizierte man bis in die 70er Jahre eine Ablösung durch einfaches Anschieben des Partners. Jeweils einer der beiden Kollegen ließ sich in ein langsameres Tempo zurückfallen und wartete, bis sein Kollege ihn einholte. Dieser packte seinen Vordermann schließlich an einem speziell hierfür am linken Hosenbein befestigten Knauf und schob ihn damit ins Rennen. Der Gesamthub des Ablösevorgangs war jedoch sehr kurz und verlangte deshalb nach baldiger Verbesserung der Technik.

Seit der „Erfindung“ des Schleudergriffs in den 70er Jahren benutzt man den oben genannten Vorgang nur noch im Amateursport. Zu Recht: Der Schleudergriff gehört nicht umsonst zu den waghalsigsten Manövern im Bahnradsport. Im Großen und Ganzen funktioniert er ähnlich wie die gewöhnliche Anschiebetechnik, jedoch mit einigen Feinheiten aufgewertet: Anstatt durch einen Knauf am Hosenbein schieben die Fahrer sich direkt an ihren ausgestreckten Ärmen an. Der ankommende Hintermann streckt dabei seinen rechten Arm aus, der Vordermann seinen linken Arm. Der Vordermann kann sich nun an der ausgestreckten Hand des Teamkollegen „abziehen“. Da sich während dem Manöver beide Kollegen nur mit einer Hand am Lenker halten, besteht eine hohe Sturzgefahr, weswegen der Schleudergriff bei den Amateuren lange Zeit verboten war. Auch heute noch ist er bei vielen Radsportkritikern umstritten.

Es mag zwar eine riskante Technik sein, aber sind wir mal ehrlich: Gegen etwas mehr Teamwork hat doch niemand etwas. Und Sturzgefahr besteht schließlich bei jedem Sport, man schaue sich nur einmal Extremsportarten wie Downhill oder BMX an. Der Schleudergriff ist also definitiv eine tolle Technik, die das eine oder andere Rennen sicher taktisch enorm aufwertet.