Deutschland-Tour-Sieger Linus Gerdemann und Sprinthoffnung Gerald Ciolek wechseln zur kommenden Saison vom Columbia-Rennstall zum Team Milram. Die beiden Radprofis unterschrieben für zwei Jahre beim letzten verbliebenen deutschen ProTour-Team.
“Ich bin zu Milram gewechselt, um etwas für den deutschen Radsport zu tun. Gerade in der schwierigen Zeit will ich für mehr Glaubwürdigkeit kämpfen. Wir können etwas bewegen”, erklärte Linus Gerdemann in der Dortmunder Zentrale des Rennstalls.
Miram-Teamchef Gerry van Gerwen hat viel vor mit den Beiden: “Linus und Gerald sind unsere Star-Fahrer. Linus ist der Kapitän, für ihn wird die ganze Mannschaft fahren. Jetzt können wir gewinnen.”
Der Sieger der Deutschland-Tour 2007 blickt schon in Richtung Tour de France 2008: “Ich will einfach besser sein, als beim letzten Mal. Die ersten zehn der Gesamtwertung sind so eng zusammen, wie nie zuvor.” Zum Ausstieg von ARD und ZDF von der Live-Berichterstattung über die Tour de France meinte Gerdemann weiter: “Ich verstehe den Rückzug. Aber es ist schade, dass das Anti-Doping-Programm des Radsports nicht honoriert wird.”
Der Titel UCI ProTour dürfte den meisten Menschen in den Teilnehmerländern des internationalen Radsports ein grober Begriff sein. Was sich genau dahinter verbirgt, wissen jedoch nur die wenigsten. Grund genug, der bedeutensten Rennserie der Welt hiermit einen eigenen Artikel mit Hintergrundwissen und Fakten zu widmen.
Die UCI ProTour entstand in ihren Grundzügen nach Ende der Straßenradsport-Saison 2004. Die Pläne zur ProTour waren zwar schon Jahre vorher im Gespräch, stießen jedoch in der Öffentlichkeit rund um den Globus auf Grund der Nichtnominierung einiger bedeutender Rennen, Fahrer und Teams auf breite Kritik. Dennoch wurde die UCI ProTour mit den bedeutendsten internationalen Rennsportevents 2005-2007 mit relativ hohem Erfolg abgehalten.
Die Idee war an für sich hervorragend: Die bedeutensten Straßenrennen unter einer Rangliste vereint – nur wer in allen Rennen erfolgreich ist, darf sich zu Recht ‘bester Straßenrennfahrer der Welt’ nennen. Soviel zur Theorie. Doch die Praxis sah leider etwas anders aus. Von Dopingskandalen überschattet entstanden zwischen der UCI und den Veranstaltern der größten Radsportereignisse wie dem Giro d´Italia und der Tour de France unüberbrückbare Unstimmigkeiten. So kam es wie es kommen musste: Vor der Saison 2008 kündigten die Tour de France, der Giro d’Italia, die Vuelta a España sowie einige weitere prestigeträchtige Eintagesrennen den Austritt aus der UCI ProTour an.
Die UCI sah dies jedoch nicht als Grund zum Versagen der gesamten ProTour 2008 an und entschied sich, diese auch in der Saison 2008 unbeirrt mit einigen kleineren Regeländerungen abzuhalten. So wird die ProTour im Oktober 2008 erstmals ein Gesamtfinale abhalten, wodurch in dieser Saison insgesamt 16 Rennen anstehen. An Bedeutung hat sie durch das Wegfallen der bedeutensten Etappenrennen dennoch verloren. Schade, kann man da nur sagen. Da bleibt nur zu hoffen, dass die UCI ProTour und die Veranstalter der ausgelagerten Rennen irgendwann wieder zueinander finden und die UCI ProTour möglichst bald wieder mit altem Glanz an den Start gehen kann. Denn in ihrem jetzigen Zustand ist die Rangliste der ProTour in keinster Weise repräsentativ, was ja eigentlich das Hauptziel der 2005 erstmals abgehaltenen ProTour war.
Dieses Jahr feiert die Deutschland Tour ihr 10-jähriges Bestehen – Grund genug, ein positiv in den Erinnerungen zu wahrendes Rennen bieten zu müssen. Lange warteten die Fans gespannt auf die Bekanntgabe der Etappendaten für die Tour 2008, bis sie am Mittwoch nun endlich in Neuss der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Die erste Etappe startet am 29. August mit einem Prolog in Kitzbühel (Österreich). Quer durch die Alpen geht es durch Bayern westwärts in Richtung Rheinland-Pfalz und von Mainz aus entgegen dem Rhein durch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf einer Gesamtstrecke von knapp 1400 Kilometern bis nach Bremen, wo dann am 6. September endgültig die Sieger feststehen werden.
Der Direktor der Deutschland Tour, Kai Rapp, zeigte sich sehr optimistisch: „Wir haben in einer intensiven Vorbereitungsphase vielseitig geprägte und attraktive Etappenorte als Partner gewonnen. Gemeinsam mit diesen sowie unseren Sponsoren und nicht zuletzt der ARD werden wir unseren Fans eine lebendige und bis zum Schluss spannende Deutschland Tour 2008 präsentieren. Dieses freut uns umso mehr, als wir damit dem zehnjährigen Veranstaltungsjubiläum auf besondere Weise Rechung tragen werden.“
Im Gegensatz zu einigen anderen Rennen wie beispielsweise der Internationalen Friedensfahrt verspricht die Deutschland Tour also bereits seit zehn Jahren gleich bleibende Spannung und Vielfalt. Aber bei der diesjährigen Jubiläumstour scheinen die Veranstalter sich doch noch einen Tick mehr in’s Zeug gelegt zu haben. Im Sommer erwartet uns also ein definitives Radsport-Highlight, für das es sich auf jeden Fall lohnt, auch im Urlaub einen Fernseher aufzusuchen. Denn vor lauter Tour de France übersieht man oft die Rennen, welche direkt vor der eigenen Nase stattfinden, nämlich im eigenen Land.
Spätestens, wenn man einmal eine ebene Strecke bei vollem Gegenwind mit einer höheren Geschwindigkeit als 20 km/h entlanggefahren ist, lernt man jeden Flecken Windschatten zu schätzen. Denn ab dieser Geschwindigkeit ist der Luftwiderstand größer als alle anderen Widerstände. Um so größere Bedeutung hat der Windschatten beim Spitzensport, den größten und strapazenreichsten Radrennen der Welt. Bei Rennen im Team bieten sich einer strategisch denkenden Mannschaft jedoch viele Möglichkeiten, den Windschatten maximal auszunutzen.
Eine besonders facettenreiche Formation ist der sogenannte Belgische Kreisel. Dieser besteht aus zwei Reihen, von denen die rechte Reihe langsamer fährt als die linke. Ist der vorderste Fahrer der linken Reihe etwa einen Meter vor dem der rechten Reihe, lässt er sich langsam nach rechts fallen, übergibt seinem Hintermann die Führung der linken Reihe und bildet fortan die Führung der rechten Reihe, bis der Vordermann der linken Reihe wiederrum seinen Platz einnimmt und nach und nach nach hinten rutscht. Am Ende der rechten Reihe angelangt, lenkt der Fahrer nach links und kämpft sich dort wieder bis an die Spitze durch. Diese Taktik hat jedoch auch ihre Nachteile: Alle Fahrer des Teams müssen in etwa gleich stark sein, da jeder Fahrer gleich lang dem vollen Gegenwind ausgesetzt ist. Bei der Tour de France beispielsweise wird diese Taktik zu Gunsten der Top-Sprinter kaum noch angewandt.
Eine einfachere, aber nicht weniger effektive Formation ist die einfache Reihe, in der jeder im Windschatten seines Vordermanns fährt. Der führende Fahrer lässt sich nach etwa 250 Meter an das Ende der Reihe fallen und überlässt seinem Hintermann die Führung. Bei seitlichem Gegenwind versetzt sich die Reihe entsprechend dem Wind, so dass der Hintermann jeweils links oder rechts vom Vordermann versetzt fährt. Wird diese Formation gezielt am Strassenrand aufgebaut, um nur einer bestimmten Anzahl an Fahrer die Teilnahme an der Gruppe zu ermöglichen, nennt man diese Taktik auch „auf der Windkante abhängen“.
Es existieren natürlich noch viele weitere Taktiken, deren namentliche Nennung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. So gut wie alle weiteren Taktiken beruhen jedoch wesentlich auf den hier genannten Prinzipien des Windschattenfahrens.
Der sogenannte Sprinterzug ist bei Radrennen im Strassenradsport ein oft angewandtes strategisches Manöver, mit dessen Hilfe ein Massensprintfinale oft noch in den letzten Minuten entschieden wird. Dabei arbeitet ein ganzes Team daran, einen einzelnen Top-Sprinter an die Spitze zu bringen.
Vorbereitet wird das Manöver im Finale eines Rennen. Zuerst sammelt sich ein Fahrerteam an der Spitze des Hauptfelds, unter ihnen auch der eigendliche Sprint-Star. Dadurch können Ausreißversuche weitgehend verhindert werden. Nach und nach fallen schließlich einzelne Teamkollegen zurück, die dem hohen Tempo von oftmals über 60 hm/h nicht standhalten können, bis am Ende nur noch der eigendliche Sprinter übrig bleibt, der nun in einer perfekten Ausgangsposition für den Zielspurt ist.
Eine besondere Detailformation ist der sogenannte “Schliesser”, bei dem ein Teamkollege innerhalb des Sprinterzugs durchgehend dem Hauptsprinter am Hinterrad klebt und dadurch andere erfolgreiche Sprinter daran hindert, sich am Sprinter der eigenen Mannschaft festzubeißen.
Sogar in Weltmeisterschaften werden solche Manöver erfolgreich durchgeführt, so beschehrte ein Sprinterzug beispielsweise dem Italiener Mario Cipollini den WM-Sieg 2002. Auch von deutschen Fahrern wie Erik Zabel und besonders dem T-Mobile-Team wird diese Strategie oft angewandt.