Die Halle ist komplett ausverkauft, das Publikum bebt. Alle Blicke sind auf eine Rennbahn in der Mitte der Halle gerichtet. Auf ein Zeichen hin werden im selben Augenblick zehn schwere Motorräder gestartet, das Rennen beginnt. Alles deutet auf ein klassisches Motorradrennen hin, wären da nicht die leicht zu übersehenden Fahrräder hinter den massigen Maschinen. Langsam dämmert es: Nicht die Motorräder, sondern die Radfahrer sind die eigentlichen Stars des Rennen!
Rede ist von den sogenannten Steherrennen. Prinzipiell laufen diese ähnlich wie gewöhnlicher Bahnradsport ab, mit einem entscheidenden Unterschied: Vor jedem Rennrad fährt ein Teamkollege auf einem extra zum Windschattenbringer aufgemotzten, breiten und schweren Motorrad. Dadurch können die Radfahrer enorme Geschwindigkeiten erreichen, da sie nicht wie beim Strassenradsport mit der hohen Macht des Windschattens zu kämpfen haben. Die gesamte Renndistanz liegt in der Regel unter 100 Kilometern, wobei oftmals Geschwindigkeiten von über 100km/h über längere Zeit gehalten werden.
Aber auch an die Motorradfahrer, gerne auch Schrittmacher genannt, werden hohe Anforderungen gestellt. Oft sind sie das entscheidende Zünglein an der Waage, welches das Rennen entscheidet. Sie müssen nämlich andauernd in möglichst pefektem Abstand zu ihrem hinter ihnen fahrenden Teamkollegen bleiben, welcher durch ein vorschriftsmäßig am Motorrad befestigten Gestell auf Distanz gehalten wird.
Durch die Minimierung des Gegenwindes können die Fahrer zwar wesentlich schneller fahren, allerdings sind Steherrennen dennoch eine der härtesten Radsportarten, da das Renntempo deutlich angehoben ist und somit durchgehende Maximalleistung des Fahrers gefordert wird. Ein hoher Puls ist somit sowohl den Fahrern als auch dem Publikum garantiert.
Beim 2er-Mannschaftsfahren im Bahnradsport kommt es im Gegensatz zum Strassenradsport überwiegend auf die Geschwindigkeit eines einzelnen der beiden Kollegen an. Um die Last jedoch auf beiden Schultern weitgehend gleichmäßig zu verteilen, ist es notwendig, dass sich die beiden Fahrer in regelmäßigen Abständen ablösen. Fuhr man früher noch aneinander vorbei, ohne sich zu berühren (“auf Sicht”), entwickelten die Bahnradsportteams schnell Techniken, die Geschwindigkeit und Restpower eines Fahrers auf seinen Kollegen zu übertragen.
Zuerst praktizierte man bis in die 70er Jahre eine Ablösung durch einfaches Anschieben des Partners. Jeweils einer der beiden Kollegen ließ sich in ein langsameres Tempo zurückfallen und wartete, bis sein Kollege ihn einholte. Dieser packte seinen Vordermann schließlich an einem speziell hierfür am linken Hosenbein befestigten Knauf und schob ihn damit ins Rennen. Der Gesamthub des Ablösevorgangs war jedoch sehr kurz und verlangte deshalb nach baldiger Verbesserung der Technik.
Seit der “Erfindung” des Schleudergriffs in den 70er Jahren benutzt man den oben genannten Vorgang nur noch im Amateursport. Zu Recht: Der Schleudergriff gehört nicht umsonst zu den waghalsigsten Manövern im Bahnradsport. Im Großen und Ganzen funktioniert er ähnlich wie die gewöhnliche Anschiebetechnik, jedoch mit einigen Feinheiten aufgewertet: Anstatt durch einen Knauf am Hosenbein schieben die Fahrer sich direkt an ihren ausgestreckten Ärmen an. Der ankommende Hintermann streckt dabei seinen rechten Arm aus, der Vordermann seinen linken Arm. Der Vordermann kann sich nun an der ausgestreckten Hand des Teamkollegen “abziehen”. Da sich während dem Manöver beide Kollegen nur mit einer Hand am Lenker halten, besteht eine hohe Sturzgefahr, weswegen der Schleudergriff bei den Amateuren lange Zeit verboten war. Auch heute noch ist er bei vielen Radsportkritikern umstritten.
Es mag zwar eine riskante Technik sein, aber sind wir mal ehrlich: Gegen etwas mehr Teamwork hat doch niemand etwas. Und Sturzgefahr besteht schließlich bei jedem Sport, man schaue sich nur einmal Extremsportarten wie Downhill oder BMX an. Der Schleudergriff ist also definitiv eine tolle Technik, die das eine oder andere Rennen sicher taktisch enorm aufwertet.
Joe Friel dürfte den meisten Leuten ein Begriff sein.
Mit seinen Trainingsprogrammen und den Theorien zur Übersäuerung des Körpers bei Überanstrengung hat er sich in den USA einen Namen als Fitnessexperte gemacht.
Auch wenn gerade letzteres, also die Fragen, inwiefern Milchsäure (genau genommen eigentlich Laktat) tatsächlich für Übersäuerung sorgt, und in welchem Maße, heutzutage durch neue Erkenntnisse im wissenschaftlichen Bereich als umstritten gilt: Die Trainingsmethoden des Amerikaners bleiben zumindest eine Referenz in der Welt der Sportbücher.
Im letzten Jahr, am 24. März 2007, hat der Covadonga Verlag eins seiner Bücher in deutscher Übersetzung veröffentlicht. “Die Trainingsbibel für Radsportler.” Das Buch kann schon auf den ersten Blick mit seiner Optik punkten: Auf edlem Schwarz prangt der goldene Schriftzug des Titels. Damit ist auf jeden Fall ein Ehrenplatz in der Bibliothek gewährleistet, der teilweise grässliche Look anderer Fitnessbücher ist hier mehr als stilvoll umschifft worden.
Was drinsteht, ist auch nicht schlecht. Klar, das Buch komplett durchlesen werden die Wenigsten. Gut finde ich aber, dass es eigentlich jeden Radsportinteressierten irgendwie anspricht. Wer einen Einstieg in die weite Welt der Fitnessplanung sucht, findet hier ebenso sein Kapitel, wie fortgeschrittene Sportler, die ihrem Training mehr Effizienz verleihen wollen.
In erster Linie bleibt das Buch natürlich Blickfang, aber wer noch Platz im Schrank hat, weil noch nicht dermaßen viele Pokale darinstehen, für den ist der Kauf sicherlich interessant.