Düsseldorf – Vor dem Start der 104. Tour de France am Samstag in Düsseldorf hält der deutsche Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin das Fahrerfeld nach den Dopingskandalen der Vergangenheit für weitgehend sauber.

«Ich würde sagen zu 98 Prozent. Das ist natürlich nur eine Schätzung. Aber wenn es schwarze Schafe gibt, dann sind das individuelle Aktionen. Das von Teams gesteuerte Massenbetrügen gibt es definitiv nicht mehr», sagte Martin im Interview der «Sport Bild».

Erst am Dienstag hatte ein Dopingfall im Team des zweimaligen Gesamtsiegers Alberto Contador und des deutschen Radstars John Degenkolb für Aufregung gesorgt. Der Portugiese André Cardoso wurde in einer Trainingskontrolle am 18. Juni positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet und vorläufig suspendiert.

Martin sieht im ersten Start der Frankreich-Rundfahrt in Deutschland seit 1987 (damals in Berlin) eine «Anerkennung für die Leistungen und die Glaubwürdigkeit der neuen deutschen Fahrergeneration. Dafür haben wir lange gekämpft», sagte der 32-Jährige. «Als ich 2008 Profi wurde, lag der Radsport am Boden. Die Leute am Straßenrand beschimpften uns als Doper und Medikamentenabhängige. Doch Jahr für Jahr haben wir uns das Vertrauen zurückgekämpft».

Zum Auftakt des Tour-Heimspiels gilt Martin beim 14 Kilometer langen Zeitfahren als Top-Favorit. Nach 2015 könnte der Profi des Katusha-Alpecin-Teams erneut das Gelbe Trikot erobern. «Es mir in Deutschland zu holen wäre doppelt schön.»

Fotocredits: Hendrik Schmidt
(dpa)

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