Madrid – Nach seinem Vuelta-Triumph peilt der britische Radprofi Simon Yates gleich das nächste große Ziel in 14 Tagen in Innsbruck an.

«Wenn ich die WM auch noch gewinne, beende ich die Saison sofort und lege die Beine hoch», sagte der zierliche Kletterspezialist aus Bury und ein breites Lachen schoss über sein Gesicht.

Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Adam führt er das WM-Aufgebot aus Großbritannien an. Die beiden anderen großen Rundfahrtsieger der Saison, seine Landsleute Chris Froome und Geraint Thomas, verzichten auf einen Start beim knüppelharten Championat in Tirol, das einer Hochgebirgsetappe bei der Tour de France gleichen wird.

Froome hatte den Giro mit einem finalen Parforceritt gewonnen und dabei Yates nach 13 Tagen in Rosa doch noch den Sieg entrissen. Thomas gewann die Tour, in der Yates‘ Zwillingsbruder Adam nicht so erfolgreich war wie erhofft. «Wir haben da ein paar Fehler gemacht, die Kräfte nicht richtig eingeteilt. Dehydrierung war das große Problem. Das war auch so bei Simon beim Giro. Aus diesen Fehlern haben wir aber gelernt», sagte Adam Yates der Deutschen Presse-Agentur. Er war in der Vuelta vor allem in der dritten Woche ein wertvoller Helfer.

Die Lerneffekte waren dann am deutlichsten bei Simon zu sehen. Er war der dominante Fahrer dieser Vuelta und konnte auch in den letzten Tagen noch gegenhalten. «Ich bin wesentlich weniger aggressiv ins Rennen gegangen. Das war teilweise schwer durchzuhalten, weil es gegen all das ging, womit ich als Radsportler aufgewachsen bin», berichtete er.

Der Bahn-Weltmeister im Punktefahren von 2013 ist der Rundfahrer, der die mit Abstand meisten Attacken fährt. Bei der Vuelta hielt er sich zurück. «Es verging kein Tag, an dem mir Teamchef Matthew White nicht wenigstens einmal verbot anzugreifen», klagte Yates.

Mit der Form aus der Vuelta gehört er auf dem extrem schweren WM-Kurs zu den Favoriten. Ob er an die klassikererfahrenen Vincenzo Nibali (Italien) oder Julian Alaphilippe (Frankreich) heranreicht, muss sich zeigen. Nicht zu unterschätzen ist aber auch sein Bruder Adam. Er wurde in der dritten Vuelta-Woche immer stärker und zeigte in der Vergangenheit bei Eintagesrennen noch größere Stärken als sein Zwillingsbruder.

Ihr australischer Rennstall Mitchelton-Scott ist mit dem ersten Grand-Tour-Sieg endgültig zu den Top Teams aufgestiegen. 2012 orientierte sich das Team anfangs auf Sprinterfolge und Klassikersiege. Ab 2014 kam der Umschwung mit der Verpflichtung der Yates-Brüder und des Kolumbianers Esteban Chaves. Seitdem wurden die Kapazitäten bei den großen Rundfahrten kontinuierlich ausgebaut, das Team ist inzwischen der härteste Rivale des britischen Superteams Sky.

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(dpa)