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Chemnitz – Eine Woche vor dem Start der 104. Tour de France in Düsseldorf proben die deutschen Topfahrer in Chemnitz den Ernstfall. André Greipel, Marcel Kittel oder John Degenkolb wollen sich die Meistertrikots auf der Straße holen, Tony Martin im Zeitfahren.

Aber die Kreise der Tour-Stars könnten bei den Radsport-Titelkämpfen in Sachsen ab Freitag von aufmüpfigen Herausforderern gestört werden. Die drei Tour-Debütanten Rick Zabel, Nikias Arndt und Rüdiger Selig könnten zusammen mit Phil Bauhaus die etablierten Sprinter zum DM-Abschluss am Sonntag über 213,4 Kilometer herausfordern. Greipel spekuliert zwar auf seinen vierten nationalen Titel, seine letzten Formnachweise nach einer überstandenen Viruserkrankung waren aber nicht sehr überzeugend. Anders war da schon Dauerrivale Kittel unterwegs, der bei der Ster ZLM Toer seinen neunten Saisonsieg einfuhr. Sowohl Greipel als auch Kittel, die es zusammen auf 20 Tour-Etappensiege bringen, haben jeweils einen Teamkollegen an der Seite.

Der vierfache Zeitfahr-Weltmeister Martin ist zwar wieder haushoher Favorit und steuert auf seinen siebten Titel im Elite-Bereich zu, aber in dieser Saison hat der Spezialist noch keinen Kampf gegen die Uhr gewonnen. In Chemnitz will sich der 32 Jahre alte Wahlschweizer den nötigen Kick für das 14 Kilometer lange Zeitfahren zum Auftakt der Tour holen.

«Ein Gelbes Trikot im eigenen Land – so eine Chance kommt für mich nicht mehr», sagt Martin. Aus der zweiten Reihe hoffen beim 48 Kilometer langen Zeitfahren in Chemnitz Lennard Kämna, Nils Politt, U23-Weltmeister Marco Mathis, Maximilian Schachmann oder Jasha Sütterlin auf eine Überraschung.

Das mit acht Startern größte Kontingent im Fahrerfeld stellen die Bora-hansgrohe-Fahrer. Der Berliner Selig dürfte als Kapitän an den Start gehen und auch Helferdienste vom Überraschungsmeister von 2015, Emanuel Buchmann, erwarten. Der Ravensburger machte zuletzt bei der top-besetzten Tour-Generalprobe Critérium du Dauphiné mit einem siebten Platz von sich reden. Für seine dritte Tour hat er sich einiges vorgenommen. «Ich will keinen Extra-Druck aufbauen, aber Emanuel hat großes Potenzial», sagte Verbands-Präsident Rudolf Scharping.

Ohne Team-Unterstützung geht John Degenkolb auf den Kurs. «Als Alleinunterhalter wird es sehr schwer», meinte der Klassiker-Jäger, dessen Trek-Segafredo-Rennstall seinen Start am Donnerstag noch einmal bestätigte. In der Saison eins nach seinem folgenschweren Unfall vom Januar 2016 wartet Degenkolb noch immer auf seinen ersten hochkarätigen Sieg, obwohl die Form stimmt. Auch bei der Tour de Suisse, bei der ein Etappenerfolg die richtige Motivation für die Frankreich-Rundfahrt sein sollte, klappte es zuletzt nicht. Bei bisher vier Tour-Teilnahmen ging Degenkolb jedesmal leer aus.

Der 19,4 km lange Stadtkurs in Chemnitz ist anspruchsvoll, aber topographisch auch etwas für Sprinter und Sprinterinnen. Bei den Frauen geht Mieke Kröger (Bielefeld) als Titelverteidigerin an den Start. Sie gehört neben Lisa Brennauer (Durach), Zeitfahr-Meisterin Trixi Worrack (Dissen) und Charlotte Becker (Berlin) zu den Aspirantinnen auf den Sieg im Straßenrennen.

Fotocredits: David Stockman
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